Interkulturelle/ interreligiöse Filme des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte (ILR) in Bonn

Bericht für das Projekt DIALOGBEREIT und THEMA JUGEND

Im Rheinland gibt es eine sehr lange Tradition interkulturellen und interreligiösen Zusammenlebens. Bedingt durch den großen Strom haben sich Menschen hier früh niedergelassen, die Region wurde dichter besiedelt als andere europäische Landschaften.

Neben vielen Konfliktherden, die oft strukturell bedingt sind, gibt es zahlreiche Beispiele gelungener Integration und friedlicher Koexistenz von Menschen verschiedener Nationalitäten im Rheinland. Dies kann gelingen, wenn einerseits die eigene Identität gelebt werden darf, andererseits importierte Traditionen, Feste und Bräuche von der Umgebung als Bereicherung für das Gemeinwesen und nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Hier ist der unermüdliche Einsatz beteiligter Personen und Institutionen erforderlich, die für die Vermittlung von Alltagskultur aus anderen Ländern und die notwendige Verständigung sorgen. Die aktuelle demographische Entwicklung stellt den einzelnen Bürger, insbesondere junge Menschen, vor große Herausforderungen. Diese kann er besser mit qualifiziertem Wissen über die Lebensgewohnheiten anderer Nationalitäten bewältigen.

Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben im Rheinland eine neue Heimat gefunden. Dies hat das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte (ILR) mit volkskundlichen Filmen dokumentiert und in ansprechender Weise nachvollziehbar gemacht. So sind Filmdokumentationen über die griechisch-orthodoxe, spanische, italienische, türkische, äthiopisch-orthodoxe, jüdische und moslemische Alltagskultur im Rheinland entstanden. Dabei wurden religiöse Feste besonders berücksichtigt. In der neuen Umgebung bieten sie Orientierung und dienen der Erinnerung an das Herkunftsland, der Entwicklung neuer Gemeinschaften, der Gastfreundschaft, der Entstehung von "Normalität".

Eine Kurzbeschreibung dieser Filme, die unter der Regie von Dr. Berthold Heizmann, teils auch mit Dr. Alois Döring und mit Dr. Josef Mangold produziert wurden, gibt es im Filmkatalog des ILR, der unter
www.rheinische-landeskunde.lvr.de/volkskunde/film im Internet eingesehen werden kann. In der Zeitschrift "Volkskultur an Rhein und Maas", die mit neuem Titel "wir im rheinland" bis 2008 im J.P. Bachem Verlag in Köln erschienen ist, werden Artikel zu interkulturellen/ interreligiösen Themen, insbesondere zu den Filmprojekten des Institutes, veröffentlicht. Buchprojekte des ILR, wie z. B. "Rheinische Bräuche durch das Jahr" von Dr. Alois Döring, informieren auch über Feste anderer Religionen, die von Migranten ins Rheinland mitgebracht wurden.

Folgende interkulturelle/ interreligiöse Filmprojekte wurden vom ILR produziert:
  • Das Freitagsgebet in der Baesweiler Moschee, 1993
  • Zu Hause in der Fremde – Griechisch-orthodoxe Taufe im Rheinland, 1994
  • "Christos anesti" - Die Feier des griechisch-orthodoxen Osterfestes im Rheinland, 2000
  • Domingo de Ramos - Spanischer Palmsonntag in Köln, 2000
  • La festa della Pasqua - Szenen der italienischen Karwoche, 2000
  • Theódoros und Tanja - Eine griechisch-rheinische Hochzeit, 2001
  • Kosmos der Heiligen - Die Ausmalung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Bonn-Beuel, 2001 (Hierzu gibt es ein Buch mit demselben Titel)
  • Wenn sie singen, bebt die Erde …Orthodoxe Äthiopier im Rheinland, 2004/5
  • Man muss den Himmel sehen können ….Jüdischer Alltag im Rheinland, 2005/6
  • Wenn die Tränen fließen… Türkische Hochzeit im Rheinland, 2008
Alle Filmprojekte sind für die Bildungsarbeit mit MitarbeiterInnen verschiedener Arbeitsfelder der Jugendhilfe und mit Jugendlichen selbst geeignet.

Die Filme sind als VHS oder als DVD im ILR, Endenicher Str. 133, 53115 Bonn erhältlich bei Frau Trautmann (Tel 0228 9834-0 oder Mail hildegard.trautmann@lvr.de). Sie kosten je 13 – 15 €. Sie können online ausgeliehen werden beim LVR-Zentrum für Medien und Bildung in Düsseldorf unter www.medienzentrum-rheinland.lvr.de

Reinhild Brandes