Rezensionen

Rezension von Pastor Klaus Schneider aus Freistatt:

Christen und Muslime sind Nachbarn Tür an Tür. Das Foto auf der Titelseite macht es anschaulich deutlich. Wir können und sollen es nicht mehr verdrängen, denn Menschen aller Nationen in allen Nationen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Auch bei uns. Wir essen Türkisches und Arabisches und was es sonst in anderen Ländern gibt - und es schmeckt gut.

Das Buch von Alboğa, Bienemann und Höbsch liefert einen verständlichen Beitrag, um von der gegenseitigen Ablehnung von Muslimen und Christen und einem gleichgültigen Nebeneinander zu einem verstehenden Miteinander zu kommen. Dieser Weg führt über die Religion. Sehr hilfreich sind die verständlichen Definitionen, die immer wieder in den Texten eingefügt sind. Die Herausstellung von Gemeinsamkeiten der Religionen, wobei auch dankenswerter Weise das Judentum miteinbezogen ist, beschreibt das Verbindende. Dadurch wird zugleich das Unterschiedliche klar beschrieben, was nicht Verständnislosigkeit bewirkt, sondern Respekt und Achtung vor den religiösen Wurzeln des anderen.

Dies wird besonders deutlich bei der Beschreibung von Gottesbildern und der Gottessicht der Glaubensgemeinschaften. Das Buch ist somit nicht eine Gegenüberstellung allein, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Kulturen und religiösen Praktiken im Islam und im Christentum.

Beeindruckend ist, wie das Buch den Bogen schlägt vom Anfang des Menschen in seiner Religion (Kind), über jeweilige Schwerpunkte der Erziehung. Heranführung an die Religion, Deutung des Glaubens, Beten und Feiern bis zum Sterben und der jeweiligen Todeserwartung des Menschen. Es ist kein Lesebuch. Das vorliegende Buch will erarbeitet werden. Mal hier lesen, mal da etwas suchen - es ist ein Dialoglexikon. Die Erarbeitung des Buches aber macht Freude.

Das Buch öffnet den Dialog zwischen Eltern und Kindern, fördert den Dialog in Schulklassen und Jugendgruppen, es hilft dem, der das Fremde hinterfragt, weil es ihn ängstigt und gibt allen Rat, die einen Weg suchen über den Dialog zu einem verstehenden Miteinander von Christentum und Islam.

Und noch eine Nebenwirkung: Wer das Buch als Christ liest, findet in ihm ein Kompendium der eigenen Religion. In Kürze und Genauigkeit ist der christliche Glaube beschrieben und auch die Herkunft von religiösen Praktiken, was der Auffrischung des religiösen Wissens dient.

Fazit: Die Lektüre ist bereichernd und gibt Einblicke in eine fremde Welt, die schon längst unter und zwischen uns ist. Das Buch lädt ein zum Frieden miteinander.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Rezension von Lamya Kaddor, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Religion des Islam und Lehrerin für Islamkunde in deutscher Sprache an der Westf. Wilhelms-Universität Münster:

Die Klärungshilfe Christen und Muslime Tür an Tür. Basiswissen kompakt von Bekir Alboğa, Georg Bienemann und Werner Höbsch setzt sich zum Ziel, dem interessierten Leser sowohl den Islam als auch das Christentum im Hinblick auf säkulare und moderne Herausforderungen an die Gesellschaft näherzubringen. Die Autoren treffen sich dort, wo es um ein Miteinander von Menschen verschiedener religiöser, kultureller und ethnischer Herkunft geht:

"In dieser Publikation geht es um Glaubenswege in der modernen Gesellschaft: Was glauben Muslime, was glauben Christen? Wie kann ein friedliches Zusammenleben aller Religionen und Weltanschauungen gelingen?" (S. 7)

Genauso klar ist die Zielgruppe der Leser definiert, denn "Der Dialog über Leben und Werte ist nicht mehr nur eine Angelegenheit für Spezialisten, sondern fordert neben den Lehrern und Erzieherinnen auch Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus, Verantwortliche in Jugendarbeit, in Ausbildung, in Sportvereinen und an vielen anderen Orten heraus." (S. 7)

Um einen "ersten Überblick" zum Miteinander verschiedener Menschen zu gewährleisten, führen die Autoren anhand von sieben Themen (Einstieg in den Dialog/ Religiöse und kulturelle Begegnung/ Gemeinschaften im Glauben/ Glauben/ Beten und feiern/ Sterben, Tod und der Glaube an ein Weiterleben/ Leben in der Welt) in Christentum und Islam ein. Die Veröffentlichung ist theologisch verständlich und somit auch für ein nicht-wissenschaftliches Publikum formuliert. Sie liefert auf ihren 132 Seiten zahlreiche konkrete Beispiele, wie die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann.

Zu Beginn der Publikation wird ein guter Einstieg mit der Einstellung von Jugendlichen zum Thema Glaube und Religion erarbeitet. Hier und in den folgenden Kapiteln sind die Autoren bemüht, die Argumente und Tendenzen auch mit Zahlen zu belegen. Sie stützen sich in den meisten Kapiteln auf die Ergebnisse aus vorhandenen Studien. Der Schlussteil regt mit einem kleinen Lexikon und den nützlichen Literaturtipps und Links zum Weiterdenken und Weiterlesen an. Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Publikation. Eine Reihe von Illustrationen lockert den Lesefluss auf.

Die Idee, andere Menschen in ihrer Andersartigkeit besser kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und das zu respektieren, was anderen heilig ist, um damit einen friedlichen Umgang miteinander und den Abbau von Gewalt zu gewährleisten, wird in der Klärungshilfe mit viel Aufrichtigkeit und detailliertem Wissen umgesetzt. Das abwechslungsreiche Büchlein erleichtert dem Laien den Einstieg in die Materie "Religion und Alltag" und bietet Unterstützung für den ehrlichen Dialog. Ein rundum gelungenes Büchlein also, das den Anspruch hat, einen ersten Überblick in Religion und Alltag von Muslimen und Christen zu verschaffen, und diesen auch erfüllt.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Rezension von Professor Dr. theol. Herbert Ulonska. Er ist evangelischer Theologe:

"Die drei Autoren Bekir Alboğa, Georg Bienemann und Werner Höbsch legen eine Schrift vor, die in sehr überzeugender Form in den Dialog zwischen Christen und Muslimen einführt. Die Veröffentlichung ist mehr als nur eine Klärungshilfe für das Gespräch zwischen diesen beiden monotheistischen und abrahamitischen Weltreligionen, sondern ebenso eine intensive Einführung mit einer Materialfülle, die auch zur eigenen Weiterarbeit ermutigt.
Didaktisch gut aufbereitet, mit einer Fülle anregender Fotos, einer sehr übersichtlichen Gliederung, einem sehr ansprechenden Layout und vor allem durch eine sehr verständliche Sprache werden Themenbereiche abgehandelt, die die Lesenden dialogfähig machen.

Die Verfasser erliegen nicht einer ‚Kuschelmentalität’. Dafür sorgen schon die Beiträge des Muslim Bekir Alboğa. Es wird auch nicht nur an Abgrenzung zur Sicherung des eigenen Glaubens gedacht, sondern dialogoffen und auch in ökumenischer Gesinnung gearbeitet. Der eingangs beschriebenen Situationsanalyse ist nur zuzustimmen, dass der Islam mitten unter uns wohnt. Die Zeit der sogenannten Gastarbeiter mit ihrer Gastreligion ist schon lange vorbei. Muslime haben längst keinen Gaststatus mehr; unter der 2. und auch schon jetzt 3. Generation finden sich fast nur noch Deutsche muslimischen Glaubens.
Auch zuzustimmen ist der weiteren Beobachtung, dass durch die Auseinandersetzung mit dem Islamismus die Frage nach der Religion und der mit ihr verbundenen Gewalt wieder öffentlich geworden ist. Religion gehört nicht mehr in irgendeine Nische sondern in die Öffentlichkeit.

Zur Dialogfähigkeit gehört aber ein verstandenes Wissen über die eigene Religion. Dieser Ansatz, zuerst bei dem eigenen Glauben zu beginnen, entspricht ganz den Grundgedanken der Handreichung der EKD vom November 2006: ‚Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland’. Zur Klarheit gehört die eigene Position bei gleichzeitiger Neugier auf den Nächsten, den Fremden mitten unter uns, den muslimischen Nachbarn. Wenn das gelingt, dann wird zu Recht die Dialogarbeit zur Friedensarbeit.
Wie sich eine solche Friedensarbeit gestalten kann, wird weiter ausdifferenziert. Da sind zuerst die vielen Begegnungsmöglichkeiten, die aber auf Augenhöhe als Zeichen gegenseitiger Akzeptanz zu geschehen haben.

In weiteren Kapiteln werden die beiden Religionen ausführlich dargestellt. Zuerst wird auf die Initiationsriten verwiesen, auf Taufe und Namensgebung, dann auf die religiöse Erziehung. Auch das Kultpersonal wird differenziert und ökumenisch beschrieben.
Wichtig ist das 4. Kapitel, in dem es um die Darstellung der Glaubensinhalte geht. Bibel und Koran sind wichtige Inhalte, auch mit den je eigenen Interpretationsmöglichkeiten. Dass es nur bescheidene Versuche gibt, auch den Koran historisch-kritisch zu lesen, wird ebenso genannt. Dadurch wird den Lesenden deutlich gemacht, dass der Koraninterpretation der Schritt in die Aufklärung noch fehlt, den die protestantische Theologie vor ca. 200 Jahren begonnen hat und die katholische Exegese seit ca. 100 Jahren ebenso wagt.
Im Kapitel ‚Beten und feiern’ werden viele wechselseitige Kontaktmöglichkeiten aufgezeigt, um sich gegenseitig kennenzulernen.
Als sehr informativ erweist sich das 7. Kapitel über die Ethik. Hier werden viele aktuelle Konfliktfelder aufgezeigt und umsichtig erarbeitet.
Die im Schlussteil aufgeführte Literatur erleichtert die vertiefende Weiterarbeit und das Lexikon der religiösen Begriffe die schnelle Orientierung.

Dem vorgelegten Buch ist eine große Verbreitung zu wünschen, da es eine sehr gut aufbereitete Informierung zu einem höchst aktuellen Thema ist, das uns ‚auf den Nägeln brennt’."