Projekt DIALOGBEREIT - Im Spannungsfeld von Christentum, Islam und moderner Gesellschaft
Abbau von Vorurteilen, bessere Kommunikation zwischen Christen und
Muslimen und Gewaltprävention in Feldern der Kinder- und Jugendhilfe durch
interreligiösen Dialog.
Projekt-Stufe 1: GrundlagenDurch das Projekt DIALOGBEREIT soll das friedliche Zusammenleben von Christen
und Muslimen gefördert werden. Ausgangspunkt der Überlegung ist: Viele Konflikte
haben mit Vorurteilen und Unkenntnis zu tun. Uns geht es um ein besseres Verstehen
kulturell bedingter Lebensweisen und Wertvorstellungen. Die Alternative zu
Konflikt heißt Dialog. Hier wird davon ausgegangen, dass der interreligiöse Dialog
Konflikte abbauen hilft und so das positive Miteinander unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen
in der Bundesrepublik Deutschland gefördert wird.
Aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes geht es vor allem um das Erkennen von Gewalterfahrungen und den Gewaltabbau unter Jugendlichen. Starke Polarisierungen
sind durch interkulturelles Lernen aufzufangen. Hierzu gehört auch der interreligiöse
Dialog. Fachkräfte in unterschiedlichen Aufgabenfeldern der Jugendhilfe sollen
hierbei von uns unterstützt werden. Das Projektziel ist, sie für den interreligiösen
Dialog zu gewinnen und ihnen ein Angebot zur notwendigen Kompetenzerweiterung
zu machen.
1. Konflikte weltweit und vor der Haustür
Zu den großen weltweiten Herausforderungen der Gegenwart gehört das friedliche
Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen und Religionen.
Einige Zukunftsforscher sprechen bereits von einem sich anbahnenden kriegsähnlichen
Konflikt, zumindest aber von einer sich deutlich abzeichnenden aggressiven
Polarisierung zwischen Christen und Muslimen. Was vor über 10 Jahren der amerikanische
Politikwissenschaftler Samuel Huntington prognostizierte, nämlich ein sich
entwickelnder "Welt-Religionskrieg" (Kampf der Kulturen), ist für manche Experten
nicht mehr auszuschließen. In den heutigen Kriegs- und Konfliktgebieten wird nicht
selten wie zu Zeiten der Kreuzfahrer mit "Gottes Wille" und "im Namen Gottes"
argumentiert und gehandelt. Hier zeigt sich (global betrachtet) eine deutliche Verschlechterung
im Zusammenleben der westlich-christlich geprägten Länder mit den
östlich-islamisch geprägten Ländern der Welt. Zumindest scheint die Verletzbarkeit
und Empfindsamkeit größer geworden zu sein und wird immer wieder in aggressiven
Reaktionen deutlich. Der sog. Karikaturenstreit und die umstrittenen Aussagen von
Papst Benedikt XVI. in Regensburg im September 2006 verdeutlichen dies anschaulich.
Die Problematik in wenigen Stichworten: Wertvorstellungen prallen aufeinander.
Maßstäbe der Aufklärung sind in der islamischen Welt kaum nachvollziehbar. Viele
Muslime bringen Erfahrungen eines anderen Kulturraums mit nach Deutschland, es
bestehen andere Grundüberzeugungen.
Normdurchsetzende Instanz ist in einigen islamischen Ländern die Religion und eben
nicht ein demokratischer Staat. Ferner führen Erfahrungen von Ungerechtigkeiten
und Verletzungen durch eine problematische westliche Politik zu konfliktvollen Auseinandersetzungen.
Was sich weltweit im Verhältnis Islam – Christentum zeigt, ist auch in Deutschland
spürbar. Konfliktparteien sind weniger die Institutionen, wie beispielsweise die christlichen
Kirchen mit ihren Führungspersonen und die Vertretungsorganisationen der
Muslime mit ihren befugten Sprechern in Deutschland. Sollten sich hier Konflikte
anbahnen, so scheint es (inzwischen) brauchbare Ansätze und Erfahrungen zur
Konfliktbearbeitung zu geben.
Vielmehr gilt: Konfliktpotentiale in unterschiedlicher Ausprägung sind in allen Bevölkerungsgruppen
und Milieus zu finden, da es häufig eine große Unwissenheit und
dadurch verursacht große Vorurteile gibt.
Neuere Umfragen (beispielsweise die Allensbach-Umfrage von Mai 2006) zeigen,
dass über die Hälfte der deutschen Bevölkerung Angst vor dem Islam hat. Schon in
der Vergangenheit war die Einstellung vieler Deutscher dem Islam gegenüber
negativ. Dies hat sich in jüngster Zeit nach Allensbach-Auskunft noch einmal "spürbar
verdüstert": 91 Prozent der Befragten sehen eine Benachteiligung der Frauen im
Islam; 83 Prozent meinen, dass der Islam von Fanatismus geprägt sei; 62 Prozent
schätzen den Islam als rückwärtsgewandt ein; 71 Prozent sagen, dass der Islam
intolerant sei und 60 Prozent der deutschen Bevölkerung vertritt die Auffassung, der
Islam sei unsympathisch. Auch die 15. Shell-Jugendstudie bestätigt den Trend: Die
Mehrzahl der deutschen Jugendlichen hat große Vorbehalte gegenüber dem Islam.
Die Ängste, Befürchtungen und Vorbehalte sind ernst zu nehmen - umso wichtiger ist
der Dialog miteinander.
Aktuelle Zukunftsprognosen gehen davon aus, dass ein positives Miteinander von
Mehrheitsgesellschaft und Zugewanderten kaum zu verwirklichen ist – und dies trotz
oder gerade wegen der Tatsache, dass wir es bereits mit mehreren Generationen
von Migranten zu tun haben. Als zu groß werden die Unterschiede angesehen.
Szenarien von gewalttätigen Auseinandersetzungen, wie sie im Jahre 2005 in den
Vororten von Paris entbrannten, sind nach Auffassung einiger Prognosen durchaus
auch für deutsche Städte denkbar.
Es entsteht faktisch seit Jahren eine sog. Parallelgesellschaft. Aus Sicht des Kinder- und
Jugendschutzes tun sich hier große Problembereiche auf. Eine erforderliche
Integration findet (wenn überhaupt) nur unter erschwerten Bedingungen statt. Vorprogrammiert
sind durch soziales Ungleichgewicht, durch dauerhaft erfahrene
Ungerechtigkeit und durch kaum existierende Zukunftsaussichten Bandenbildung
und
verstärkte Gewaltbereitschaft. Diese Zuspitzung der Gewalt wird nicht zu stoppen
sein, wenn es nicht bald gelingt, dass sich diese unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen
und Milieus annähern. Hier können vor allem (gute) Schulen integrationsverstärkend
wirken.
Nur gerade acht Prozent der von Allensbach befragten Deutschen trauen dem Islam
Friedfertigkeit zu. Dabei wird von den meisten Deutschen kaum zur Kenntnis genommen,
dass es viele gelungene Kooperationen und Gemeinsamkeiten "vor Ort" zwischen
Muslimen und Christen gibt: Stadtfeste, Friedensgottesdienste, gemeinsame
Glaubensseminare, spontane und solidarische Nachbarschaftshilfe, Hausaufgabenbetreuung,
gegenseitige Besuche, Tage offener Moscheen, Kirchenführungen, Anteilnahme an und Kenntnisnahme der Festzeiten, Gesprächsbereitschaft und
selbstverständliche zwischenmenschliche Beziehungen am Arbeitsplatz, in Schulen
und Universitäten sowie in Nahbereichen, dort wo Trennungssituationen aufgehoben
wurden oder erst gar nicht entstanden sind.
Realität ist: In Deutschland leben etwa 3,3 Mio. Muslime, Tendenz steigend. Immer
mehr Deutsche werden dem Islam angehören und als "deutsche Muslime" hier leben.
Weltanschaulich wird so der Islam auch für immer mehr Deutsche eine geistige Heimat
sein. Die Mehrheit der Bevölkerung ist zwar durch christliche Werte (mit)geprägt
worden, in Zukunft werden aber (noch) mehr religiöse Vielfalt und religiöse Andersartigkeit
die Normalität bestimmen. In bestimmten weltanschaulichen Kontexten ist
dies bereits vollzogen worden (siehe synkretistische Religiosität und esoterisch geprägte
neue religiöse Szene – mit großer Affinität zum Buddhismus). Entscheidend
wird in Zukunft die Akzeptanz freiheitlicher und demokratischer Auffassungen und
Normen sein. Dafür steht das Demokratieverständnis der Bundesrepublik Deutschland
mit seiner Verfassung, dafür stehen die Menschenrechte der Weltgemeinschaft
und dafür steht auch das Verständnis der Menschenwürde, wie dieses auf der Basis
des jüdisch-christlichen Gottes- und Menschenbildes entstehen konnte – nämlich
begründet als gottesebenbildlich und einzigartig.
2. Das Projekt DIALOGBEREIT konkret
In einer Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher kultureller
Herkunft und religiöser sowie weltanschaulicher Überzeugung Tür an Tür
leben, sind gegenseitiger Respekt und Dialogbereitschaft Voraussetzungen
für ein gutes und friedliches Zusammenleben. Die Begegnung mit Menschen
anderer Kulturen und Religionen, mit anderen Gewohnheiten und Bräuchen
geschieht tagtäglich in Schulen, am Arbeitsplatz und im Stadtviertel.
Religion wird wieder öffentlich wahrgenommen und diskutiert. Dies gilt
auch für Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Auch für
sie wird Religion zum Thema und zur Herausforderung. Der Dialog über
Lebensweisen und Werte fordert Lehrer/innen und Erzieher/innen, Ärzte
und Pflegekräfte in Krankenhäusern, Verantwortliche in der Jugendarbeit
aber auch im Ausbildungsbereich, in sozialen Berufen, in Sportvereinen und an vielen anderen Orten
heraus.
Pädagogisch Tätige in unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe, vor
allem in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit, stehen in
enger Verbindung zu muslimischen Jugendlichen, die diese Einrichtungen aufsuchen.
In der Auseinandersetzung mit Werten und gesellschaftlich akzeptierten
Maßstäben spielt der interreligiöse Dialog eine große Rolle und wird u. E. immer
bedeutsamer. Christlich sozialisierte Pädagogen und Pädagoginnen sind Ansprechpersonen
für junge Muslime. Sie sind zum interreligiösen Diskurs herausgefordert,
müssen dazu aber auch in der Lage sein. Dies gilt auch für islamisch geprägte
Fachkräfte. Diese müssen sich auf das christliche Denken und die hier verwurzelten
Werte einlassen können. Das setzt Wissen und die Bereitschaft sowie Fähigkeit zum
Dialog voraus.
Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. hat
ein langfristig angelegtes Projekt initiiert, in dem es um die Befähigung von Fachkräften
innerhalb unterschiedlicher Felder der Kinder- und Jugendhilfe geht. Die Hauptidee
dabei ist: Die Auseinandersetzung mit dem Islam (bzw. im Perspektivenwechsel
mit dem Christentum) ist ein wichtiger Schritt zur kulturellen Annäherung. Mehr voneinander
wissen, um sich so besser verstehen und akzeptieren zu können, ist interkulturelles
Lernen durch interreligiösen Dialog.
Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. hat
in der politischen Arbeit für junge Migranten viel Erfahrung. Sie setzt sich seit 1991
für die Belange junger Migranten, hier vor allem für junge Flüchtlinge, ein. Dabei ging
und geht es um Bedingungen menschenwürdigen Aufwachsens – beispielsweise um
kindgerechte Wohnverhältnisse. Es geht immer noch um die Teilhabe an schulischer
Bildung und beruflicher Ausbildung. So werden Kinder und Jugendliche mit der
Gewährung des Bleiberechts Perspektiven entwickeln können.
Der politische Einsatz für junge Migranten konnte – wenn auch in sehr kleinen und
langsamen Schritten – in den letzten Jahren Lebensbedingungen von Kindern und
Jugendlichen verbessern helfen.
3. Vielfältige Zusammenarbeit
Das Projekt DIALOGBEREIT ist auf Zusammenarbeit angelegt. Christen und Muslime
begegnen sich "auf Augenhöhe". Bewertungen und fest verinnerlichte Annahmen
wie "wir sind besser" müssen thematisiert und geklärt werden.
Für die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V.
bedeutet dies in der Konsequenz: Das Projekt benötigt die personelle Unterstützung
muslimischer Fachkräfte und Partner.
Ferner wird die Zusammenarbeit mit Fachorganisationen und Verbänden gesucht: So
haben wir die Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene
Kinder- und Jugendarbeit NRW (ab Projekt-Stufe 2) vereinbart. Eingeladen zur Mitarbeit
sind auch Jugendverbände. Für die Zusammenarbeit konnte auch die Muslimische
Jugend in Deutschland e. V. (MJD) gewonnen werden.
4. Unterstützung der Fachkräfte und Multiplikatoren
(Projekt-Stufe 1)
Von uns wurden verschieden Arbeitshilfen zur Unterstützung der Arbeit "vor Ort"
erstellt. Dies ist u.a. eine Buchveröffentlichung: Eine von uns konzipierte Buchpublikation
möchte zum "Dialog an der Basis" ermutigen und befähigen. Sie bietet
wesentliche Informationen über Kultur und Religion, besonders über Christentum und
Islam. Sie führt in den Glauben und das religiöse Leben von Muslimen und Christen
ein, informiert über religiöse Organisationsformen und Gemeinschaften im Christentum
und Islam und gibt Anregungen zum interkulturellen Lernen und Dialog.
Die Buchpublikation richtet sich an Muslime und Christen. Sie wird behilflich sein,
Fragen und Themen sowohl der eigenen religiösen Entwicklung bzw. des eigenen
Bekenntnisses als auch die Religion des Gesprächspartners besser kennenzulernen.
Das Buch trägt den Titel: DIALOGBEREIT – Christen und Muslime im Gespräch.
Eine Klärungshilfe für soziale Berufe. Die Publikation wurde finanziell gefördert durch
das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Herausgabe dieser Publikation wurde realisiert durch die
Geschäftsstelle der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. Sie erschien im Eigenverlag. Zu den Autoren gehören ein islamischer
Theologe und zwei katholische Theologen.
Angestrebt wurde, diese Publikation auch als Verlagsausgabe erscheinen zu lassen.
Dies ist erfolgt. Der Verlagstitel lautet: Christen und Muslime Tür an Tür.
Basiswissen
kompakt, Don Bosco Verlag, München 2008.
Mit finanzieller Unterstützung des NRW-Integrationsbeauftragten konnten wir das
Buch DIALOGBEREIT auch als türkische Ausgabe herausgeben. Der Titel lautet: Diyaloğa Hazir, erschienen im Schulbuchverlag Anadolu GmbH, Hückelhoven 2008.
Die deutsche Ausgabe (DIALOGBEREIT) und die türkische Ausgabe (Diyaloğa
Hazir) werden von der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und
Jugendschutz NW e.V. nur im "Doppelpack" abgegeben und zwar zu einer Schutzgebühr
von 18,00 Euro.
Fachforum: Am 22. Mai 2007 fand in Neuss eine NRW-weite Veranstaltung zum
Thema "Zwischen Disco und Moschee – muslimische Jugend in Deutschland. Fragen
an den Jugendschutz" statt. Veranstaltet wurde das Forum von den drei Arbeitsstellen
Kinder- und Jugendschutz in NRW. In einem eigenen Workshop zum interreligiösen
Dialog konnten wir einem interessierten Fachpublikum das Projekt DIALOGBEREIT
vorstellen.
Zeitschrift THEMA JUGEND: Wir haben die Ausgabe 3/2007 als Themenheft zum
interkulturellen Lernen innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit herausgegeben. Hier
sind auch die Fachbeiträge des Kinder- und Jugendschutzforums (siehe vorstehende
Ausführungen) zu finden. Diese Zeitschrift richtet sich vor allem an Fachkräfte innerhalb
der Jugendhilfe.
Broschüre für die Elternbildung: In der Schriftenreihe Elternwissen wurde von uns
eine Ausgabe zum Thema "Dialog" herausgegeben.
Internetauftritt: Unser Internetauftritt informiert über das Projekt und berücksichtigt
vor allem kinder- und jugendschutzrelevante Aspekte.
Unsere Adresse:
www.dialogbereit.de
Veranstaltungsangebot: Wir machen allen Diözesan- und Landesverbänden (besonders
auch unseren Mitgliedern) das Angebot, das herausgegebene Arbeitsmaterial kennenzulernen. Wir bieten dazu einen ca. 2-stündigen Informationsblock zum
Thema "Interkulturelles Lernen und interreligiöser Dialog" an. Veranstaltungsanlässe
sind Gremiensitzungen der Verbände, Diözesanversammlungen, Multiplikatorenschulungen
oder Arbeitstagungen der Bischöflichen Jugendämter in NRW.
Zeitlicher Verlauf des Projekts
Projekt-Stufe 1: Konzipierung und Erstellung von Arbeitsmaterialien. Gewinnung von
Kooperationspartnern, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Gewinnung von
Verbänden für den interreligiösen Dialog.
Projekt-Stufe 2: Für das Jahr 2009 ist die Durchführung von Dialogwerkstattgesprächen,
Workshops und die Erarbeitung einer Ausstellung mit Jugendlichen geplant.
Das Projekt DIALOGBEREIT wird Mitte 2010 beendet
Projekt-Stufe 2: Praxis
5. Einladung zum Dialog
In der Schule, am Arbeitsplatz, im Stadtviertel – überall leben und arbeiten Menschen
verschiedener Kulturen und Religionen zusammen, oftmals in Unkenntnis der Welt
des anderen. Religion wird wieder öffentlich und auch für diejenigen, die keiner Religionsgemeinschaft
angehören, zum Thema und zur Herausforderung.
Das Miteinander gelingt nur dann, wenn die beteiligten Religionen und Kulturen mehr
voneinander wissen und deren Anhänger/innen zum Austausch bereit sind. Hier sind
gerade Fachkräfte in den unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendarbeit
herausgefordert. Als Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen werden sie auf
eigene Wertvorstellungen angesprochen. Ihre Glaubwürdigkeit wird kritisch hinterfragt.
Der interreligiöse Dialog ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung, denn das
Sprechen über religiöse Themen, Positionen und Traditionen kann nur gelingen,
wenn die grundsätzliche Wertschätzung des Gesprächspartners zu spüren ist. Es
kann hier also kein "besser sein – weniger gut sein" geben.
Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. und
die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit NRW
laden zur Zusammenarbeit ein.
Gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften soll das Projekt DIALOGBEREIT (inkl.
der Durchführung von Dialogwerkstattgesprächen und der Planung von Ausstellungen, u.a. im Landtag NRW) konkretisiert werden.
Das Projekt DIALOGBEREIT ist auf Zusammenarbeit angelegt. Christen und Muslime
begegnen sich "auf Augenhöhe". Bewertungen und fest verinnerlichte Annahmen
wie "wir sind besser" müssen thematisiert und geklärt werden.
Für die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V.
und die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit
NRW bedeutet dies in der Konsequenz: Das Projekt benötigt die personelle Unterstützung muslimischer Fachkräfte. Diese Unterstützung erfolgt durch eine sog.
Expertengruppe.
Wir suchen auch einen muslimischen Partner, um durch die Trägerschaft der geplanten
Aktion (von Anfang an!) den interkulturellen und interreligiösen Ansatz zu verdeutlichen.
Nur so können wir glaubhaft für den interreligiösen Dialog werben.
Inzwischen konnte die Muslimische Jugend in Deutschland e. V. (MJD) gewonnen
werden ( www.mjd-net.de).
6. Unser Anliegen – die Ziele des Projekts
- Wir sehen in der interreligiösen Annäherung einen Beitrag zur Gewaltprävention:
Fachkräfte, die einen inhaltlichen Diskurs zu weltanschaulichen Fragen
moderieren können, helfen Gegensätze abzubauen und begleiten Jugendliche in
einem vorurteilsfreien Umgang miteinander.
- Das Projekt will Diskriminierung abbauen: Zu beobachten ist ein stärker werdendes
Interesse an religiösen Fragestellungen. Das Projekt DIALOGBEREIT setzt
hier an.
Vorurteile haben häufig mit Unwissenheit zu tun, woraus Stigmatisierungen erwachsen.
Darum werden durch das Projekt (fehlende) Informationen angeboten. Dies
fördert eine faire Beurteilung. Durch die Befassung mit der Religion "des anderen"
sollen also Vorurteile (und mögliche Ängste) abgebaut werden. Dadurch werden
auch problematische Bilder korrigiert.
- Das Projekt DIALOGBEREIT will einen Beitrag zur Identitätsbildung leisten:
Jugendliche werden unterstützt, ihre persönlichen religiösen Fragen zu stellen und
diese zuzulassen. Jugendliche brauchen sich nicht mit ihren Bekenntnissen, Normen
und Werten, mit ihren kulturbedingten Lebensweisen verstecken.
Das Projekt bietet Jugendlichen untereinander gemeinsam mit pädagogischen
Fachkräften eine Plattform zum besseren Kennenlernen an.
- Schließlich geht es um das Kennenlernen unterschiedlicher Wertvorstellungen
und deren Annäherung: Friedliches Zusammenleben wird durch einen Wertediskurs
gefördert. Grundlage dabei sind das Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland und die Menschenrechte. Indem Wertvorstellungen von Migranten –
und vor allem von Muslimen in unserem Land – zur Kenntnis genommen werden und
deren religiöse Herkunft ernst genommen wird, kommt die Lebenswirklichkeit dieser
Bevölkerungsgruppe stärker in den Blick. Dabei ist dieser Prozess auf Gegenseitigkeit
angelegt. Je mehr wir voneinander wissen, umso mehr sind Konflikte bearbeitbar.
Das Projekt DIALOGBEREIT möchte Sozialräume schaffen, in denen junge
Menschen lernen, das Fremde zu verstehen, Andersgläubige in ihrem Anderssein
zu respektieren und gemeinsam ihre Verantwortung für den Frieden und
die Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu erkennen.
7. Unsere Aktionsphase
Die Idee: Jugendliche bilden kleine
"Dialogteams". Unter einfühlsamer Anleitung
sprechen sie darüber, was ihnen besonders wertvoll ist. Das tun sie beispielsweise
mit Hilfe von Gegenständen oder Symbolen, mit Fotos, Texten und weiteren Ausdrucksformen.
Diese Schätze der Jugendlichen sind Spuren persönlicher Identitätsfindung
und veranschaulichen die Werte dieser Jugendlichen. Aus dem Material, das
zusammenkommt, entsteht eine Ausstellung, die auch am Ort der Jugendlichen gezeigt
werden könnte. Die Jugendlichen sind hier die wichtigsten Kooperationspartner/
innen.
Die Idee wurde bereits vor Jahren in ähnlicher Weise bei der sogenannten Heiligtümerausstellung
(in Aachen) und Lebenszeichen-Ausstellung (in Münster) umgesetzt.
Die Aufgabe:
In Gruppen Jugendlicher mit unterschiedlicher Herkunft und/oder Religionszugehörigkeit,
religiös geprägt oder auch nicht, wird der Austausch über das,
was einem oder einer wichtig oder wertvoll ist, eingeübt. Als Grundregel für diese
Dialogwerkstattgespräche gilt: Respekt vor dem haben, was andere fühlen und ausdrücken
möchten, was ihnen wichtig und wertvoll ist.
Die Jugendlichen bringen bestimmte Gegenstände mit, die eine besondere Bedeutung
für sie haben, ihnen womöglich heilig sind. Vorher überlegen sie gemeinsam mit
Hilfe von Gesprächsleitern und Moderatorinnen, ob sie solche Zeichen und Symbole
besitzen. Was gemeint sein kann, diskutieren sie in der Gruppe. Dazu werden verschiedene
Anregungen durch Gesprächsleiter/innen gegeben.
Es handelt sich um Gegenstände, beispielsweise Erinnerungsstücke, die so besonders
und bedeutsam sind, dass sie wie Schätze aufbewahrt werden.
Sie erinnern an
Vergangenes und konservieren Erfahrungen, halten Wichtiges und Wertvolles fest
und lassen es lebendig werden.
Ihren Gegenstand oder ihr Erinnerungsstück beschreiben Jugendliche mit wenigen
Worten: Was müssen andere wissen, damit sie die Bedeutung und das Wertvolle
verstehen und dann auch erkennen können?
In einem weiteren Schritt stellen die zuhörenden Jugendlichen dazu Fragen. Auch
die Fragen werden festgehalten. Später sind die Beschreibungen und Fragen das
Material für weitere Gespräche.
Es geht um Wertvolles, um persönliche Erinnerungen, um etwas, woran sich die
Jugendliche oder der Jugendliche festhält bzw. festhalten kann, möglicherweise geht
es auch um Hoffnung, Wünsche und Glaubensbekenntnisse.
Die Gegenstände (Schätze), die Erklärungen und Fragen dazu werden für eine
Dialogausstellung zur Verfügung gestellt. Es werden auch Fotos von den Jugendlichen
mit "ihren Schätzen" angefertigt. Aus all dem stellen wir in enger Kooperation
mit den Jugendlichen eine Wanderausstellung zusammen.
8. Öffentliche Präsentation – Jugendliche werben für den Dialog
Die (aufbereiteten) Ergebnisse und Materialien der sog. Dialogwerkstattgespräche
sollen einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Von uns als Projektleitung ist
beabsichtigt, dass dies an den Orten der Jugendlichen erfolgt.
In einer Wanderausstellung zeigen wir und die beteiligten Gruppen (Schulklassen,
Jugendgruppen), was jungen Muslimen, jungen Christen, auch jungen "Glaubensfernen"
wichtig und wertvoll ist.
Von uns als Projektveranstalter wird DIALOGBEREIT als Gewaltpräventionsprojekt
vorgestellt. Dazu gibt es einige Ausstellungselemente, die diesen fachlichen
Zusammenhang erklären.
Bei den Ausstellungen vor Ort kann es auch ein Rahmenprogramm geben, wie
Ausstellungseröffnung mit Gästen und den beteiligten Jugendlichen oder Fachveranstaltungen
für Multiplikatoren.
Angestrebt sind darüber hinaus eine Ausstellung im NRW-Landtag und Ausstellungen
bei den Landschaftsverbänden Rheinland (in Köln) und Westfalen-Lippe (in
Münster) - in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landesjugendämtern.
9. Projektpaten und finanzielle Unterstützung
Die Suche von Projektpaten war erfolgreich: Unterstützung erhalten wir von der
talentierten Schauspielerin Pegah Ferydoni, der engangierten Politikerin Ekin Deligöz
MdB und dem bekannten Fußballtrainer Jürgen Klopp. Sie helfen uns, für das
Projekt DIALOGBEREIT zu werben.
Die Projektidee finden sie so gut, dass sie dies
auch öffentlich vertreten wollen.
Unser Projektpate und unsere Projektpatinnen sind gleichzeitig Identifikationspersonen.
Sie wirken im öffentlichen Raum, haben eine sozial engagierte Botschaft und
motivieren mit uns gemeinsam zum interkulturellen und interreligiösen Dialog – letztendlich
zu einem friedlichen und respektvollen Umgang miteinander.
10. Zeitplan und Einzelmaßnahmen
Herbst 2008
- Bildung einer Expertengruppe
24. Oktober 2008 erstes Treffen dieser Gruppe in Köln (dies ist erfolgt)
- Gewinnung einer Projektpatin und eines Projektpaten
Suche einer muslimischen Partnerorganisation
Entwicklung von Werbemaßnahmen (ebenfalls alles erfolgt)
Januar bis April 2009
- Gewinnung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren - vor allem aus
dem Bereich Offene Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, unterschiedlicher
Schulformen (besonders Hauptschulen und Berufsschulen).
- Durchführung einer Fachveranstaltung mit den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
- Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit bei den unterschiedlichen Trägern der Jugendbildung, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit
Mai bis Juni 2009 (ggf. auch in den NRW-Sommerferien) oder September bis Oktober 2009
- Durchführung der Projekte "vor Ort": Bildung von Gesprächsgruppen,
Sammlung von besonderen Gegenständen, heiligen Zeichen…und deren
Deutung. Aufbereitung für die Präsentation. Vorbereitung kleiner
regionaler Ausstellungen.
Herbst 2009
- Ausstellung an mehreren Orten in NRW
Rahmenprogramme, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen in den
Ausstellungen. Januar bis März 2010
- Abschluss der zweiten Projektstufe mit der Durchführung von drei großen
Ausstellungen (u.a. geplant im NRW-Landtag).
11. Kostenfreies Arbeitsmaterial zur Unterstützung der Fachkräfte
- Buchveröffentlichung: Das Buch trägt den Titel: DIALOGBEREIT – Christen und
Muslime im Gespräch. Eine Klärungshilfe. Diese Veröffentlichung geben wir an die
beteiligten Fachkräfte (nur als Einzelexemplar!) kostenfrei ab.
Ansonsten ist dieses Buch mit neuem Titel als Verlagsausgabe (kostenpflichtig)
über den Buchhandel zu beziehen: Christen und Muslime Tür an Tür. Basiswissen
kompakt, Don Bosco Verlag, München 2008.
- Buch in türkischer Sprache: Das Buch DIALOGBEREIT ist auch als türkische
Ausgabe herausgegeben worden. Der Titel lautet: Diyaloğa Hazir, erschienen im
Schulbuchverlag Anadolu GmbH, Hückelhoven 2008. Unterstützer/innen unseres
Projekts erhalten diese türkische Ausgabe bei uns kostenfrei (nur als Einzelexemplar!).
- Zeitschrift THEMA JUGEND: Wir haben die Ausgabe 3/2007 als Themenheft
zum interkulturellen Lernen innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit herausgegeben.
Diese Zeitschrift richtet sich vor allem an Fachkräfte innerhalb der
Jugendhilfe.
- Baustein: Projektidee für Schule und Jugendarbeit.
- Broschüre für die Elternbildung: In der Schriftenreihe Elternwissen
wurde von uns eine Ausgabe zum Thema "Dialog" herausgegeben.
- Broschüre: Dialog der Religionen in Meschede. Beispiel für ein durchgeführtes
Schulprojekt.
- Internetauftritt: Unser Internetauftritt informiert über das Projekt, gibt Tipps und
stellt u.a. auch weitere Arbeitsmaterialien vor.
www.dialogbereit.de
Bestellung dieser Materialien bei: Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V.
Salzstraße 8, 48143 Münster, Telefon: (0251) 54027, Fax: (0251) 518609 E-Mail:
thema-jugend@t-online.de
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